Wiederaufbau von Nordhausen nach dem Zweiten Weltkrieg

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Der Wiederaufbau von Nordhausen nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein bedeutender Teil der neueren Stadtgeschichte.

Überblick der Zerstörung

Nach den Luftangriffen am 3. und 4. April 1945 war Nordhausen schwer zerstört: von 4.588 Gebäuden bleiben lediglich 971 unbeschädigt, von 13.075 Wohnungen waren 6.187 völlig und 4.575 teilweise zerstört. Das Stadtzentrum und zahlreiche Kulturdenkmäler wurden ausgelöscht. Von einmal 377 Einzelhandelsgeschäften waren kaum hundert übrig. Sieben Schulen und drei Kinos wurden zerstört, 411 der vordem 685 Handwerksbetriebe wurden total- oder teilzerstört, ebenso die Mehrzahl der 109 großen Betriebe der Nahrungs- und Genußmittelindustrie (Nordhäuser Korn und Kautabak). Die Infrastruktur (etwa das Gas- und Wasser- und Stromnetz, Straßenbahn) war in großen Teilen zerstört und daher nicht betriebsbereit, ebenso Industrieanlagen und Wohnhäuser.

Wiederaufbau

Pläne Ende der 1940er Jahre

Ab Mai 1946 wurde der Wiederaufbau in der Presse begleitet, es wurden Ausstellungen und Diskussionen veranstaltet. Man hatte Vorstellungen dahingehend, daß das Stadtbild, welches noch im 18. Jahrhundert die klare Scheidung der hoch liegenden Oberstadt von der Unterstadt kannte, wie ehedem wieder hergestellt werden sollte. Im Verlauf der Stadtmauer an dem steilen Hang des Petersberges und weiter plante man einen breiten Grüngürtel, von der Wallrothstraße über die Promenade, weiter durch die Rundolf-Breitscheid-Straße zum Petersberg, von dort den Steilhang hinab zum Primariusgraben und die Fortsetzung im Königshof- und Finkenburg-Wall. Hohe Gebäude bis zu fünf Stockwerken und ein Hochhaus, das für die Stadtverwaltung vorgesehen war, sollten auf der Berghöhe entstehen.

In der Unterstadt sollten überwiegend kleinere, etwa zweigeschossige Häuser errichtet werden, die den Blick zur Höhe freilassen sollten. Dieses Argument kam man noch bis in die 1960er Jahre zum tragen. Die Sicht zum Petriturm sollte nicht verdeckt werden. Verkehrsengpässe „Vor dem Vogel”, in der Rautenstraße, am Kornmarkt und in der Töpferstraße sollten durch großzügige Verbreiterung der Verkehrsbahnen berücksichtigt werden. Die Straßenbahn sollte über einen eigenen Bahnkörper geführt werden, und die gesamte Stadt sollte diesem Verkehrsmittel erschlossen werden. Zwischen St.-Blasii-Kirche und Stadttheater war ein großer Platz vorgesehen, der als Marktplatz benutzt werden sollte, und in seinem östlichen Teil sollte eine große Markthalle entstehen, damit auch bei ungünstiger Witterung der Markt abgehalten werden kann.

Eine tiefgreifende Veränderung des Stadtbildes sollte dadurch erreicht werden, daß der Personenbahnhof so nach Osten erweitert bzw. verlegt wird, daß die vom Vor dem Vogel geradeaus neu zu führende Hauptstraße genau auf ihn stößt. Diese Planung war der Grund dafür, daß das Eisenwarengeschäft Gerh. Knust seinerzeit seinen Standort in der Arnoldstraße erhielt. Über die Neuverlegung der Rautenstraße, wie sie heute verläuft, lagen noch keine Pläne vor. Auf dem Petersberg wurde ein Schulzentrum geplant. Die Petersbergschule, eine Oberschule sowie eine Handels- und Gewerbeschule sollten im Rahmen des Stadtkerns neu entstehen. Als einzelne Gebäude geplant, sollten sie durch ein großes Sportfeld miteinander verbunden werden.

Der August-Bebel-Platz war 1946 für eine Erweiterung vorgesehen. So sollte eine Stadthalle als großes Versammlungsgebäude erricht werden. Daß die Notwendigkeit der Neuerstehung eines Krankenhauses vorrangig zu behandeln ist, war kurz nach Kriegsende bekannt. So sollte die Landeserziehungsanstalt am Weinberg, die während des Krieges als Reserve-Lazarett diente und beid en Luftangriffen nicht schwer beschädigt wurde, durch entsprechende Umbauten dazu genutzt werden. Doch es kam trotz größter Bemühungen seitens der maßgebenden Ärzte nicht dazu. Das Landeserziehungsheim wurde jedoch laut amtlicher Mitteilung vom 20. Mai 1946 vom Präsidenten des Landes Thüringen der Stadt Nordhausen für den Umbau in ein städtisches Krankenhaus zur Verfügung gestellt.

Für Industriebauten sah man das Gelände südlich der Reichsbahn in Richtung Sundhausen vor. Es wurde eine neue Brücke über den Bahnkörper vorgeschlagen, um die künftigen Industriegebiete dem Hauptstraßenverkehr zu erschließen. Abschließend wurde betont, daß mit der bisherigen Bauweise nicht mehr gebaut werden kann. Ohne neue Baumethoden, die Typenhäuser mit genormten Bauteilen entstehen lassen können, konnte der Not nach Wohnraum nicht entsprochen werden.

Es wurde festgestellt, daß 100 Jahre nicht ausreichen, um Nordhausen wieder aufzubauen.

Ab 1950

Rundwohnblock von 1957 in der Engelsburg

1952 begann mit der Arbeitsaufnahme des Architekten Friedrich Stabe als Chefplaner der Wiederaufbau der Innenstadt. Die Stadt wurde bedarfsgerecht und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten mit der Stadtterrasse, Filmtheater „Neue Zeit“ Nordhausen, der Engelsburg, der westlichen Rautenstraße, dem Feierabendheim, dem Projekt Theater, dem Rathaus, der Fachschule für Landmaschinentechnik, den Industriebauten bis hin zu Wohnungsbauten für die Arbeitnehmer des Industrie-Schwerpunktes Nordhausen zügig auf- und neugebaut. Breitere Straßen und Grünanlagen lockern die einst enge Bebauung auf.

Das Gedenken an die Luftangriffe wurde zu DDR-Zeiten auch stark mit dem Wieder- bzw. Neuaufbau der Stadt verwoben. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde vor allem zur Mithilfe agitiert, um durch das „Aufbauwerk“ einer „glücklichen, friedlichen und sonnigen Zukunft“ entgegenzutreten.[1] Ein wichtiges Großereignis war die Instandsetzung des Petri-Turms mit einer neuen Turmspitze zum 42. Jahrestag 1987 als „wiedererstandendes Wahrzeichen“.[2]

Einzelnachweise

  1. „Aufbauerfolge dürfen nicht preisgegeben werden,“ Das Volk, 7. April 1953.
  2. „Kupferhelm für den Petriturm“, Das Volk, 7. April 1987.