Paul Wojtkowski
Paul Wojtkowski (geb. 20. Dezember 1892 in Wollstein; gest. 14. April 1960 in Nordhausen) war von 1953 bis 1960 Vorsitzender des Rates des Kreises Nordhausen.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herkunft und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paul Wojtkowski wurde am 20. Dezember 1892 als Sohn eines Schneidermeisters in Wollstein in der preußischen Provinz Posen geboren. Der Vater verstarb, als er etwa zwölf Jahre alt war. Nach Besuch der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Schlosser bzw. Drahtzieher in Berlin-Lichtenberg. Er war zeitweise als Laufbursche tätig.
Politische Tätigkeit bis 1933
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1910 trat Wojtkowski dem Deutschen Metallarbeiter-Verbund (DMV) bei. 1913 wurde er Mitglied der SPD, wechselte jedoch 1917 zur USPD und 1920 zur KPD. In den 1920er Jahren übernahm er verschiedene Funktionen in der kommunistischen Parteiorganisation im Ruhrgebiet. Er war Organisations- bzw. Polleiter im Stadtteil 30 in Essen und Mitglied der KPD-Unterbezirksleitung sowie der Fraktionsleitung des Metallarbeiterverbandes in Essen. Von 1922 bis 1927 war er Vorsitzender der kommunistischen Fraktion der Metallarbeiter im Ruhrgebiet und am Niederrhein.
Wojtkowski leitete nacheinander die Unterbezirke Essen, Bochum und Hamm/Westfalen und war zeitweise Mitglied des Sekretariats der Bezirksleitung Ruhrgebiet. 1930 wurde er Sekretär der KPD-Bezirksleitung Ruhr. Nach einem Kurs an der Internationalen Leninschule in Moskau arbeitete er als Instrukteur des Zentralkomitees in Oberschlesien. Im Februar 1931 löste er Fritz Selbmann als Polleiter in Oberschlesien ab und blieb in dieser Funktion bis 1933.
Von 1928 bis 1933 war Wojtkowski Mitglied des Preußischen Landtags (zunächst gewählt im Wahlkreis Düsseldorf-Ost im Mai 1928, erneut im April 1932). Außerdem saß er für die KPD im Stadtrat von Essen.
Verfolgung im Nationalsozialismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten arbeitete Wojtkowski illegal in Oberschlesien und Schlesien sowie ab April 1933 im Raum Magdeburg. Am 27. April 1933 wurde er in „Schutzhaft“ genommen, später jedoch wieder als Schlosser tätig. 1938 wurde er erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald eingewiesen, wo er bis zur Befreiung im April 1945 inhaftiert blieb.
Tätigkeiten nach 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juli 1945 war er Leiter der Abteilung Verwaltung, Wirtschaft, Arbeit und Sozialfürsorge in der KPD-Landesleitung Thüringen und Mitbegründer des FDGB in Thüringen.
Anfang 1946 wurde er vom Zentralkomitee nach Hamburg gesandt. Bis September 1947 leitete er das KPD-Zonenbüro und gehörte der Parteileitung für die britische Besatzungszone an. Nach dem II. Parteitag der SED 1947 kehrte er nach Thüringen zurück und wurde Leiter der Abteilung Gewerkschaften in der SED-Landesleitung Thüringen.
Von August 1949 bis 1952 war Wojtkowski 1. Vorsitzender des FDGB-Landesvorstandes Thüringen. Bei den Landtagswahlen 1950 wurde er zum Mitglied des Thüringer Landtags bestimmt und dort Vizepräsident.
Zeit in Nordhausen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von 1953 bis zu seinem Tod 1960 war Paul Wojtkowski Vorsitzender des Rates des Kreises Nordhausen.
Paul Wojtkowski verstarb am 14. April 1960 in Nordhausen. Sein Nachfolger als Vorsitzender des Rates des Kreises Nordhausen wurde Herbert Sasama. Die Trauerfeier fand am 20. April im Nordhäuser Stadttheater statt.
Ehrungen und Nachwirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1956 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.
Nach Paul Wojtkowski wurde in Nordhausen-Ost eine Straße benannt. Nach der Wiedervereinigung wurde die Paul-Wojtkowski-Straße 1990 in Karl-Meyer-Straße umbenannt, benannt nach dem Nordhäuser Heimatforscher Karl Meyer.
Eine FDGB-Urlaubersiedlung im Eichsfeld trug ebenfalls seinen Namen.
Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wojtkowskis war mit der Stenotypistin Luise Sattler (geb. 13. 6. 1906; gest. 21. 4. 2002) verheiratet, die seit 1923 ebenfalls Mitglied der KPD war. Sie emigrierte 1936 in die Niederlande, wo sie mit Paul Bertz zusammenarbeitete. Anfang 1937 ging sie nach Norwegen und heiratete den KPÖ-Funktionär Kurt Dernberger.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hermann Weber, Andreas Herbst: Wojtkowski, Paul. In: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.
- Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
- FDGB-Lexikon. Berlin 2009.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
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- Landkreis Grafschaft Hohenstein (1802–1952)
Kreis Nordhausen (1802–1888)
Landkreis Grafschaft Hohenstein (1888–1945)
Landkreis Nordhausen (1945–1952)
Friedrich Adrian von Arnstedt (1816–1833) | Karl von Byla (1834–1852) | Eduard Wiprecht von Davier (1852–1892) | Philipp Schaeper (1893–1917) | Rudolf von Pommer-Esche (1917–1920) | Otto Voss (1920–1922) | Albert Knodt (1922–1925) | Wilhelm Köhne (1925–1927) | Horst W. Baerensprung (1927–1929) | Johannes Kunzemann (1929–1932) | Gerhard Stumme (1932–1934) | Heinz Sting (1934, kommissarisch) | Heinrich Keiser (1934, kommissarisch) | Otto Rose (1934–1936, kommissarisch) | Wolf von Wolffersdorf (1936–1945) | Karl Schultes (1945–1946) | Hans Himmler (1946–1947) | Franz Rathfuchs (1947–1949) | Friedrich Giessner (1949–1951) | Thiele (1951–1953)
- Kreis Nordhausen (1952–1990)
(Vorsitzender des Rates des Kreises Nordhausen)
Paul Wojtkowski (1953–1960) | Herbert Sasama (1960–1964) | Gerhard Didszus (1965–1970) | Heinz Nitschke (1970–1981) | Klaus Hummitzsch (1982–1990)
- Landkreis Nordhausen (ab 1990)
Joachim Claus (1990–2012) | Birgit Keller (2012–2014) | Matthias Jendricke (seit 2015)